ARBEIT NUMMER 23 - ICH ARBEITE MIT FREQUENZEN - Teil 1 - Ansteigend

by CARSTEN VOLLMER

Album titles consisting of complete sentences are rare in the noise genre. Even more so if they begin with “I”. One cannot help but imagine the title of Carsten Vollmer's album trilogy, due to be released on three labels in parallel on 24 December 2021, as a quote from a dialogue: 'After all, do you make music or noise?' – 'Neither. I work with frequencies.' Although, based on its acoustic qualities, Carsten Vollmer's work can be placed in the context of noise, the title evades not only the cultural expectations regarding music, but also those regarding noise-as-genre.

Like all works by Carsten Vollmer, the three parts of Ich arbeite mit Frequenzen come in white packaging. As the acoustic content of the media avoids nearly every conventional musical structure and leaves it to listeners to map their own patterns onto the raw facticity of sound, the covers also refuse any kind of emotionally associative 'framing' through images. Like the sound itself, its accessories are also just a projection screen. The metaphor of 'white' noise is translated into the visual realm in a literal way – forbidding in its rigorous sparseness, but also inviting listeners to write or draw directly onto the covers the feedback their brains give on the feedbacks from Carsten Vollmer's amplifiers.

Ich arbeite mit Frequenzen refuses any kind of mystification. An image of the frequency generator that produces said frequencies is the only visual information the three album cases contain – on the inside. With a list of the frequencies that are traversed – in the case of part 1 rising from the bass into ever higher pitch regions, with ansteigend in the subtitle simply meaning 'rising' –, Carsten Vollmer reveals the construction plan of his work. Thus, the album offers enormous freedom, inviting listeners to make extremely abstract sonic events their own through active listening, or even to produce them by themselves. All tools and ingredients are laid out in front of them. To paraphrase an old DIY punk slogan: Here's a frequency generator. Here's a frequency. Here's another. Here's a third. Now make noise.

File under: Noise

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Albumtitel aus ganzen Sätzen sind selten im Noise-Genre. Erst recht, wenn sie mit “Ich” beginnen. Unweigerlich stellt man sich den Titel der Album-Trilogie von Carsten Vollmer, die am 24. Dezember 2021 parallel auf drei Labels erscheint, als Zitat aus einem Dialog vor: “Machen Sie nun eigentlich Musik oder Krach?” - “Weder noch. Ich arbeite mit Frequenzen.” Obwohl man Carsten Vollmers Arbeiten aufgrund ihrer akustischen Erscheinung dem Bereich Noise zuschreiben kann, unterläuft er mit dem Titel einen Großteil der kulturellen Zuschreibungen, die man mit dem Begriff Musik, aber eben auch mit Noise-als-Genre verbinden könnte.

Wie alle Arbeiten von Carsten Vollmer kommen die drei Teile von “Ich arbeite mit Frequenzen” in weißer Verpackung daher. So wie der akustische Inhalt der Tonträger nahezu jegliche konventionell musikalische Struktur vermeidet und es den Hörenden überlässt, in die rohe Faktizität des Schalls ihre eigenen Muster hineinzudenken, so verweigern auch die Cover jede Art von assoziativ-emotionaler “Lenkung” durch Bilder. Wie der Sound, so ist auch das Drumherum eine Projektionsfläche. Die Metapher des “weißen” Rauschens wird auf buchstäbliche Weise ins Viuselle übersetzt – abweisend in ihrer strengen Kargheit, aber zugleich dazu einladend, das Feedback des eigenen Kopfes zu den Feedbacks aus Carsten Vollmers Verstärkern direkt auf das Cover zu notieren oder zu skizzieren.

“Ich arbeite mit Frequenzen” verzichtet auf jede Art von Mystifizierung. Ein Bild des Frequenzgenerators, der die besagten Frequenzen hervorbringt, ist die einzige visuelle Information, die die drei Albumhüllen – im Innenteil – enthalten. Mit einer Liste der Frequenzen, die – im Fall von Teil 1 aus dem Bassbereich in immer höhere Lagen ansteigend – durchlaufen werden, legt Carsten Vollmer sozusagen den Bauplan seiner Arbeit offen. So zeigt das Album enorme Freiräume auf – es lädt ein, sich maximal abstrakte Schallereignisse durch aktives Hören anzueignen oder sie gar selbst hervorzubringen. Alle Zutaten liegen offen zutage. Um es in Anlehnung an einen alten DIY-Punk-Slogan zu sagen: Hier ist ein Frequenzgenerator. Hier ist eine Frequenz. Hier noch eine. Hier noch eine dritte. Jetzt mach Noise.

File under: Noise

ACU 1027

pro CDr in DVD box

Released in 2021

unlimited edition

price: 10.00 EUR (excl. postage)

this album is part 1 of the trilogy ICH ARBEITE MIT FREQUENZEN

part 2 released by CAT KILLER
emerge.bandcamp.com/album/arbeit-nummer-23-ich-arbeite-mit-frequenzen-teil-2-abfallend

part 3 released by KRATER RECORDINGS
emerge.bandcamp.com/album/arbeit-nummer-23-ich-arbeite-mit-frequenzen-teil-3-2600-hertz-phreaking production & mastering: Mirko Hentrich

Also available here: http://www.discogs.com/seller/dependenz?sort=price&sort_order=asc&q=attenuation+circuit&st

Review

BAD ALCHEMY

Steht 'Frequenzarbeiter' schon im Duden? CARSTEN VOLLMER arbeitet jedenfalls daran, mit seiner Arbeit Nr. 23: Ich arbeite mit Frequenzen (3xCDr, jeweils in DVD-Schuber). Dieser nächste Arbeitsschritt nach der bad alchemystischen „Arbeit Nr. 22“ (BA 103) ist ein in strenger Schwarzweiß-Optik vereinter Triptychon, den drei Labels stemmen: Teil 1 – Ansteigend (ACU 1027), Teil 2 – Abfallend (Cat Killer), Teil 3 – 2600 Hertz / Phreaking (Krater Recordings, KR05-010). Das oft genug unangebracht verwendete 'experimentell' ist dabei halbwegs gerechtfertigt durch die demonstrativen 'Versuchs'-Reihen mit 55 – 77 - 160 – 300 – 666 – 800 – 1000 – 2000 – 4400 – 5000 – 9000 Hz rauf und runter ('Ansteigend'/ 'Abfallend') sowie drei Episoden mit 2600 Hz. Darunter, neben zwei Live-Exzerpten vom Schrei/Ende/Ohren-Festival, eine Hommage an das in den 70ern popularisierte und bis in die 90er mögliche Phone-Freaking in den USA, wo die von Hackern entdeckte, von den Yippies popularisierte Freischaltung auf eben der 2600 Hz-Frequenz als Akt des zivilen Widerstands aufgefasst wurde. Aber diese Frequenz-Folklore erscheint wie ein narratives Surplus in Vollmers bildlos purer Darbietung eines Blizzard-Kontinuums, in dem McLuhans 'kalte' und 'heiße' Medialität verwischt. Indem ein schrillendes, zerrendes Zuviel mit myriodophonem Rausch überwältigt und lähmt, doch in seinem informatorischen Überschuss zugleich nach Kryptologen schreit. Für einen auch merkwürdig flötenden Code. Aber vor allem für ein Unsagbares, das sich als kataklysmische Schallmauer zeigt wie bei Wittgenstein das Mystische. Dass in allem, was der Fall ist, atomare Niagarafälle toben, die jedes menschliche Maß übersteigen. Der infernalische 'Gesang' der Neuronen, das heulende Elend der Elektronen, das universale Alpha, Vollmer hat es zwischen Infra und Ultra brachial orchestriert als kakophon schillernde Metapher für das Mega-, Giga-, Tera-Chaos im elektromagnetischen Radio- und Mikrowellendschungel. Als Sturz der Erkenntnis über die Marmorklippen durch die Stahlgewitter ins Spektrum der Strahlungen, als total mo-bilgemachter Black Metal vor einem Schwarzlicht-Horizont. Das von Ernst Jünger immer wieder gebrauchte Tat Tvam Asi [Das bist du] zeigt dazu seinen technologisch fitten 'Ar-beiter', der als 'organische Konstruktion' mit der technoiden Mobilmachung heißläuft. Und einige wenige, die, obwohl gleichermaßen involviert, in kühler Desinvoltura dazu Distanz halten. Vollmers akribische Abbildungen, 48 + 48 + 50 Minuten intensive Immersion, können als stoischer Härtetest erscheinen. Als stockholm-syndromatische Affirmation eines Factum brutum. Oder sogar als akzelerationistisches Vorwärts (Nick Land), das die transhumane Umgestaltung des Menschen (durch die aggressiven Metastasen des Kapitalismus) ins Auge fasst. Mit der Utopie einer KI-generierten 'technologischen Singularität' würde Jüngers 'organische Konstruktion' zum Pionier der transhumanen Erlösung. Jede durchgestandene Noisattacke wäre, gerade indem sie das hinfällige Fleisch von den Knochen schabt, ein Evolutionsschritt dorthin. Der Geist, schon bei Hegel ein harter Knochen, steckt seinen Kopf, wie sein Renaissance-Vorgänger durch die Käseglocke seiner Scheibenwelt, unter die Bremsscheiben eines endlosen Güterzuges, in einen brausenden Bienenstock, der Züge von Stanis?awLems Partikelschwarm auf Regis III trägt. Steht Hz auch für neuen Horizont, für abenteuerliches Herz? Vollmer gibt sich, wenn er 'ich arbeite...' sagt, beeindruckend cool und souverän. Oder verdolmetscht er so bloß die Mutter der Teilchen und Wellen? Alan Moores Parent of suns and substance, she! Womb of all possibility! Als menschliche Spur im Dauertrommelfeuer der Klangpartikelstrahlung bleiben dann nur die Schreie, die Vollmer zuletzt, von 2600 Hz-Stacheln an die Wand gespießt, ausstößt. Kein 'Banzai!', aber doch wie mit geballter Faust und mehr als nur Schmerz und Angst. Noise als Waffe der Kritik an Betonköpfen, verkrusteten Strukturen, Kalk, Rost, marmornen Popanzen. Als, o Killer-Kaninchen von Caerbannog, o schwarze Bestie von Aaa, als Speer, der die Wunde heilt, die von ihm herrührt?

http://badalchemy.de/

Review

VITAL WEEKLY

Origami derives from ori, meaning "folding", and kami meaning "paper". The mathematics of the fold is relevant, is analogical to 'the fold'. This can be understood as the new mathematics of the curve, of changing quantities which is often difficult for non-mathematicians, of which I am one. Put simply in simple geometry of a flat surface, say a chessboard, a piece, pawn, knight etc. can be located by two coordinates. These are static set properties, which Deleuze via Leibniz relates to Descartes. Complex curves, changing velocities, cannot be precisely modelled using such a method. This was accomplished by using mathematics to model dynamically changing events, the Calculus. If modernism in its linear development fixes and finalizes itself in a Cartesian / Euclidean fixed point, a null event, the Baroque does not. The metaphor of calculus is useful, for around it are mathematical objects such as the limit. In simple non-mathematical terms, a series of calculations can approach a limit but never reach it, and in getting closer, to a potential infinity of numbers. For non-mathematicians, this is best seen in the obvious Baroque of The Mandelbrot Set. Folding can produce an infinite variation. Associated with 'folding' in Deleuze derives the aesthetic, especially the visual aesthetic in the Baroque, one of the dynamic curves and dramatic events. “Leibniz is endlessly drawing up linear and numerical tables. With them he denotes the inner walls of the monad. Folds replace holes...” (The Fold). Elsewhere (in The Logic of Sense) Tenth series of the ideal game -”of which we speak cannot be played by either man or God. It can only be thought as nonsense. But precisely for this reason, it is the reality of thought itself and the unconscious of pure thought. This game is reserved then for thought and art.” Baroque music of the 'classical period' - (late 17thC- 18thC) used accomplished improvisation, complex polyphony, multiple independent melody lines, the fugue and ricercar (which explore the permutations of a given motif). The 'metaphysics' that the Baroque produced was significant in music. Bach, Vivaldi, Handel, Monteverdi, Scarlatti, Purcell, Telemann... such that with Bach there is the deployment of a pure abstract formalism which could be regarded as a metaphysics of the free play of the potentialities of the abstract (windowless) structures of music. And in thinking the Baroque we also arrive at Leibniz and German Idealism, but also the more recent 'idealism' of Deleuze and the Speculative Realists and Object Oriented Ontologists. To judge these metaphysics in 'scientific', empirical terms, would then be to miss the point. They are not in all cases Monads, as they are not closed off to ourselves. They are like Monads in that they seem closed in on themselves. The point is that 'Baroque Folding' is an internal programme. Thus it typically appears when genres become exhausted or fully mature. A very early classical example is the development of Corinthian Architecture from that of the Doric & Ionic, or the much more recent, post-modernism, especially noticeable in Architecture. A certain playfulness which can and does in Po-Mo reduce, at times, to mere sensation and irony. Within contemporary music, 'noise music' and 'harsh noise' was to lead to a reductionist, 'analytics' of the extreme minimalism of Harsh Noise Wall's monolithic unchanging noise. This cul-de-sac has an obvious problem, and various methodologies have evolved in order to circumvent its effective closure of the noise genre, from abandoning noise altogether (Wolf Eyes), to alternatives, such as shit folk and ultra shit folk (Romain Perrot). The process of 'folding' is synthetic, not analytic (reductionist, minimalist walls). Both processes are to be found in Metaphysics and Art. In The Critique of Pure Reason, Kant sets out to establish an a priori basis for his transcendental metaphysics and makes two distinctions, that of the analytic a priori and the synthetic a priori. The philosophy of this needn't concern us. What is useful is concerning the idea of The Fold. The epistemological, philosophical implications disputed by some also need not bother us here. For us, what is significant in Kant is that Kant maintains that the Synthetic can produce (a priori) new objects without recourse to finding them in the outside world. In Analysis, something is broken down or examined to find its fundamental form or origin (The Wall of Noise). This is normally regarded as a task that will arrive at something fundamental. In early philosophy – the Atom – in Jungian analysis the archetype. It may well be that such a final analysis is not possible, that analysis is potentially infinite, or results in a void. Synthesis is the reverse. Given some fundamental objects, we can create new objects and structures – out of what is already given. A triangle can be analyzed into its basic three sides of straight lines, but we can synthesize new objects given a triangle. We can make a quadrilateral with two triangles and continue – pentagons, hexagons, and no limit – and no recourse to anything external to our basic element. And whereas Analysis is contained by the analysis of 'what is there' synthesis creates new objects that are not 'already there'. The Baroque is this distinction between the Analytic A Priori and Kant's idea of a Synthetic A Priori. An example in the arts is that of Analytic Cubism and Synthetic Cubism. Whereas Analytical Cubism broke up the picture plane into its elements, Synthetic Cubism used these basic 'elements' to synthesize new compositions. The tendency in modernism was analytical. “What is painting?” “What is music?” “What is Art?”, the analytical desire of what is “essential”. In Cubism, the 'Analytical' phase was relatively short-lived, the Synthetic move allowing Picasso and others an alternative continuous productive methodology. The (Baroque) fold is a synthetic methodology. At the most pedantic Origami – (from ori "folding", and kami "paper"). An origami Swan is a synthesis of a flat sheet of paper. All creations of Origami are in the last analysis, flat sheets of paper. The methodology of Origami, of 'folding', is Synthetic and offers an infinity of productions. Which is occasioned in Noise – here! which is not the abandonment of noise or a retrograde movement back into music. The baroque fold, abstractly using the tropes, forms etc., of noise music not as an external expression but as internal work exploring the permutations and improvisational possibilities of a given motif. The tropes of Harsh Noise, the motifs of feedback, oscillator sweeps, distortion, white noise etc. Abstract sounds, found in Harsh Noise before its collapse into a minimal wall. What is removed is the idea of a linear 'progress' (modernism) replaced by that of infinite synthesis. Ansteigend, Abfallend and 2600 Hertz_Phreaking are 3 parts of Arbeit Nummer 23 - Ich Arbeite Mit Frequenzen.

http://www.vitalweekly.net/1316.html

CARSTEN VOLLMER ARBEIT NUMMER 23 - ICH ARBEITE MIT FREQUENZEN - Teil 1 - Ansteigend cover front
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